Bundesland Heute - seit 30 Jahren ohne Untertitel

Seit Montag, dem 21. Jänner 1985 - so berichtete die Österreichische Gehörlosenzeitung anno dazumal - konnten alle gehörlose und hörbehinderte Menschen, die ein Teletext-taugliches Fernsehgerät zur Verfügung hatten, die wichtigste Nachrichtensendung des österreichischen Fernsehens, die "Zeit im Bild 1", live via Untertitel mitverfolgen. Ein Projekt von großer sozialer Tragweite damals. Rund 350.000 betroffenen Menschen wurde ihr langjähriger Wunsch entsprochen.

Tatsächlich konnte der ORF seit 1985 bis heute die Untertitelungsquote beständig steigern - von rund 5% auf ca. 70% des Gesamtprogramms auf ORF eins und ORF 2. Dies auch auf seiner Video-on-Demand-Plattform, der ORF TVthek (mehr als 50% im Jahr 2016). Das ist unbestritten eine Verbesserung des Angebots für gehörlose und hörbehinderte Menschen.

Am 2. Mai 1988 feierte die Regionalsendung "Bundesland Heute" auf ORF 2 die Premiere. Seit Jahren wird von GehörlosenvertreterInnen gegenüber Verantwortlichen im ORF klar, deutlich und mehrmals bemängelt, dass die neun regionalen Ausgaben von "Bundesland heute" nach wie vor keine Untertitelung bereitstellen.

30 Jahre später veranstaltet der ORF die Jubiläumsfeier. Ganz zum Feiern ist es gehörlosen Menschen nicht zumute.

Ein Vergleich, um sich die Größenordnung vorzustellen: die Berliner Mauer hielt "nur" 28 Jahre (von 1961 bis 1989). Eine ganze Generation in Ostberlin wurde vom Rest der Stadt und Welt abgeschnitten.

Für gehörlose Menschen in den Bundesländern ist diese Zugangsbarriere zu regionaler und kommunaler Politik und Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft, Brauchtum und Sport ein Symbol der nicht gezogenen Maßnahmen zum Abbau der Diskriminierung.

Generaldirektor Wrabetz hat im Schreiben vom 22. März 2010 mitgeteilt, dass der Wunsch nach einer Untertitelung der Sendung "Bundesland Heute" immer wieder an den ORF herangetragen wird. Dagegen spräche, dass es sich um neun regionale Einzelsendungen handelt - somit wäre der Aufwand für die Untertitelung dieser Sendung mehr als neunmal so hoch wie der einer in der Länge vergleichbaren Sendung, die national ausgestrahlt wird. Eine Untertitelung würde Hardware- und Personalinvestitionen in allen neun Landesstudios bedingen, die in den 7-stelligen Euro-Bereich geht. Es war ihm bewusst, dass der Bedarf bei "Bundesland Heute" gegeben ist und der ORF "mittelfristig" - eventuell wenn es technologisch effizienter möglich ist, neun Sendungen parallel und live zu untertiteln - werde er selbstverständlich diesem Thema widmen.

Warum ist der "Eiserne Vorgang" zwischen den ORF-Landesstudios und gehörlosen Zusehern seit nunmehr 30 Jahren immer noch da?

Lukas Huber, Generalsekretär des ÖGLB: "Bereits 2011 hatten einige gehörlose Einzelpersonen in fast allen Bundesländern Schlichtungsverfahren mit dem ORF eingeleitet, in der Hoffnung, dass der ORF zu einer Lösungsfindung bewegt wird. In allen Fällen dennoch waren die Schlichtungen gescheitert und es wurden keine Maßnahmen gesetzt."

Derzeit wird die Frage geklärt, ob rechtliche Schritte eingeleitet werden sollen. Seit 2018 wird eine Verbandsklage im Sinne des BGStG angedacht.