Gallaudet University – Vorreiter und Paradebeispiel

Mit der immer wiederkehrenden Schulreform hierzulande wird in letzter Zeit auf immer wieder der Ruf nach Abschaffung von Sonderschulen laut. Es wäre diskriminierend und eine Zumutung für die Kinder wenn sie „weggesperrt“ würden. Bleibt jedoch die Frage, gibt es nicht auch Vorteile für derartige Bildungseinrichtungen? Müsste nicht nur das System Sonderschule geändert werden, anstatt es abzuschaffen?

Die Gallaudet University in den USA ist ein bekanntes Beispiel und ein best practice example. Seit 150 Jahren bietet diese Universität Unterrichtsmethoden an, welche an Gehörlosigkeit angepasst wurden. Somit bietet sie die Möglichkeiten ein Studium in ASL und Schriftsprache zu absolvieren. Keine Einschränkung in der Ausbildung und voller Zugang zu allen Fächern. Davon kann man hierzulande nur Träumen, denn selbst unter Zuhilfenahme von Gebärdensprachdolmetschern ist es oft schwierig für gehörlose Schüler und Studierende. Kinder und Jugendliche würden doch besser gefördert wenn man den Bedürfnissen entsprechende Möglichkeiten anbietet anstatt sie dazu zu zwingen in allgemeinen Schulen zu versuchen dem Stoff zu folgen. Wie Erfahrungsberichte in der aktuellen Ausgabe von „VisuelPlus“ zeigen, ist Integration in der Schule nicht immer der einzige Weg vorwärts und Kinder mit Behinderungen erfahren in Regelschulen oftmals Exklusion und Mobbing. Das prinzipielle Problem ist jedoch weiterhin die mangelnde Anerkennung von ÖGS als Muttersprache der Gehörlosengemeinschaft. Kinder mit Migrationshintergrund haben die Möglichkeit sich von der lebenden Fremdsprache befreien zu lassen, da Deutsch dieses Fach ersetzen kann. Warum gibt es diese Möglichkeit für gehörlose Kinder noch nimmer nicht?