„Gehörloser Kindergarten“

Erst kürzlich wurde von einer Kindergrippe in Deutschland berichtet, welche sich auf Zweisprachigkeit Gebärdensprache – Deutsch spezialisiert hatte. Dieses, in Deutschland scheinbar innovative Modell, gibt es in Wien nunmehr schon seit einigen Jahren. Der Kindergarten Gussenbauergasse im 9. Wiener Gemeindebezirk beschäftigt die, soweit bekannt, einzige gehörlose Kindergärtnerin. Im Rahmen des jährlichen „Tag der Muttersprache“ besuchte das Team des ServiceCenter ÖGS.barrierefrei den Kindergarten. Hier werden gehörlose-, hörende-, CODA- und „Regelkinder“ gemeinsam Betreut. Der Vorteil dabei ist, dass den Kindern keine Sprache vorgeschrieben wird und sie somit ihre Kommunikationsform frei wählen können. Dies erleichtert zum Beispiel auch Kindern mit Migrationshintergrund das Deutschlernen, da automatisch eine visuelle Verknüpfung hergestellt wird. Problematisch hierbei ist weiterhin die schlechte Ausbildung gehörloser Kinder und Jugendlicher. Der Mangel an Gebärdensprachdolmetschern zwingt viele Eltern, ihre gehörlosen Kinder in Schulen zu schicken, welche ausschließlich lautsprachlichen Unterricht anbieten, was es den Kindern naturgemäß erschwert, dem Stoff zu folgen. Der Kindergarten Gussenbauergasse ist ein Vorzeigebeispiel wie Inklusion in vollem Umfang gelebt und schon von Kinderschuhen an unterrichtet werden kann. Außerdem ist er ein Beweis dafür, dass gehörlose PädagogInnen den Kindern neue Möglichkeiten geben und deshalb der Zugang zur Berufsausbildung für gehörlose InteressentInnen geöffnet werden muss.