IHS-Studie: Großer Bedarf an GebärdensprachdolmetscherInnen im Schulwesen

Laut IHS-Studie fehlt ca. 1.400 SchülerInnen die nötige Dolmetschung bzw. Unterricht in ÖGS, um dem Schulunterricht vollinhaltlich folgen zu können.

Traurige Realität: Gehörlose SchülerInnen werden in Österreich noch immer überwiegend lautsprachlich unterrichtet. Es wird erwartet, dass gehörlose Schüler ihre Schullaufbahn durch Lippenlesen und mit umfangreicher Unterstützung Dritter meistern. Lippenlesen als Ersatz für Gebärdensprache unterliegt einem weit verbreiteten Irrtum: Gehörlose SchülerInnen können nur maximal 30 % des Gesprochenen ihres Gegenübers ablesen – Zusammenhänge müssen erraten werden.

ÖGS als Muttersprache der gehörlosen ÖsterreicherInnen ist die Basis für das Erlernen einer Fremdsprache. Um also in weiterer Folge die deutsche Sprache zu beherrschen, müssen Kinder vom Kleinkindalter an in ihrer Muttersprache gefördert werden.

Der ÖGLB fordert:

  • Die Forcierung der Ausbildung von GebärdensprachdolmetscherInnen. Derzeit werden professionelle Ausbildungen in Graz und Linz bzw. eine überregionale Ausbildung angeboten, die den Bedarf nicht vollends decken können. In der Bundeshauptstadt gibt es derzeit keine Ausbildung.
  • Die Gebärdensprache als Unterrichtssprache anzuerkennen. Im Dezember hat der ÖGLB einen offenen Brief an die Bildungsministerin verfasst, in dem er die Gleichstellung der Österreichischen Gebärdensprache mit der deutschen Sprache fordert und gleichzeitig eine Fotoaktion gestartet, die regen Zuspruch erfährt.
  • Im bilingualen Unterricht ist es notwendig auf die Expertise von Native Speakers bzw. in diesem Fall „Native Signers“ zurückzugreifen. Die Ausbildung gehörloser LehrerInnen würde dem Mangel an DolmetscherInnen im Schulwesen zu einem gewissen Grad entgegenwirken und unterstützt u.a. die Identitätsbildung gehörloser Kinder und Jugendlicher.
  • Sofern hörende LehrerInnen in Schulen mit gehörlosen SchülerInnen eingesetzt werden ist das Absolvieren eines umfangreichen ÖGS-Kurses mit abschließender Prüfung erforderlich. Als positives Beispiel kann Schweden herangezogen werden, wo diese LehrerInnen einen Gebärdensprachkurs im Umfang von 700 Stunden absolvieren müssen. Von diesen Anforderungen ist das österreichische Bildungssystem weit entfernt.
  • Schließung der Lücken in der Datenlage zur hinsichtlich der ÖGS nutzung. Das zuständige Bundesministerium müsste eine Erhebung der Umgangssprachen veranlasen, welche auch ÖGS anerkennt.

Die Ergebnisse der Studie decken sich mit den langjährigen Forderungen des ÖGLB, somit ist schneller Handlungsbedarf vonseiten der Politik unerlässlich. Der Anerkennung der ÖGS in der österreichischen Verfassung 2005 sind in der Bildungspolitik nur wenige Taten gefolgt.