Italienische Gebärdensprache oder Italienische Zeichen

Es ist inzwischen weithin bekannt, dass die Gebärdensprache mehr ist als nur eine direkte Übertragung der heimischen Sprache in „Zeichen“. Es handelt sich um eigenständige Sprachen mit unabhängiger Grammatik, Entstehungsgeschichte und Verwendung. Wie mit allen Fremdsprachen geht auch hier eine eigene Kultur und Gemeinschaft einher.

Für manche Regierungen scheint dies jedoch immer noch eine Neuigkeit zu sein. So ist in Italien schon seit 2011 die Kontroverse über die Anerkennung der Italienischen Gebärdensprache (LIS – Lingua Dei Segni Italiana) entbrannt. Nachdem bekannt wurde, dass eine rechtliche Schwächung der Gebärdensprache vorgesehen war, wurde die italienische Regierung bereits 2011 von internationalen Gehörlosenvertretungen (EUD und WFD) dazu aufgefordert Schritte zur Anerkennung der LIS zu setzen. Seit dieser Zeit scheinen alle Pläne zur Anerkennung seitens der italienischen Regierung gestoppt zu sein.

Der italienische Gehörlosenbund (ENS) hat nunmehr einen neuen Entwurf einer Gesetzesvorlage erstellt, welche alle Kommunikationsformen unterstützt und trotzdem die gesetzliche Anerkennung der LIS vorsieht.

In Österreich ist die Gebärdensprache (ÖGS) bereits seit 2005 verfassungsrechtlich als Minderheitensprache verankert. Die nationalen Gebärdensprachen wurden auch seitens des Europarats in der „Recommendation 1598“ als vollständiges und natürliches Kommunikationsmittel für gehörlose Menschen sowie Teil des kulturellen und linguistischen Erbe Europas anerkannt. Weiter vertritt der Europarat die Meinung, dass eine offizielle rechtliche Anerkennung der nationalen Gebärdensprachen den Zugang für gehörlose Menschen zu Ausbildung und Arbeitsmarkt erleichtert sowie die Gehörlosengmeinschaft stärker in die Gesellschaft integriert.

Im Sinne der WFD, des EUD und des Europarates unterstützt der ÖGLB den Italienischen Gehörlosenbund in seiner Forderung nach einer offiziellen und umfassenden rechtlichen Anerkennung der LIS.