Laiendolmetscher im Ermittlungsverfahren

Der ORF berichtete heute über die Problematik mit dem Einsatz von Laiendolmetschern im Ermittlungsverfahren.

Es heißt, dass immer öfter Polizeimitarbeiter mit Fremdsprachkenntnissen (möglicherweise auf muttersprachlichem Niveau), anstatt professioneller Dolmetscher die Übersetzungstätigkeiten im Ermittlungsverfahren übernehmen. Dieses Vorgehen birgt enorme Risiken für den Beschuldigten denn auch, wenn eine Sprache auf sehr gutem Niveau beherrscht wird, heißt das noch lange nicht, dass man tatsächlich auch als Dolmetscher eingesetzt werden kann. In Ermittlungsverfahren kommt es oft insbesondere auf „kleine“ Worte an die bei Dolmetschungen oftmals verloren gehen, da hauptsächlich der große Zusammenhang dargestellt werden soll. Problemtisch insgesamt ist die Unterschiedlichkeit von Sprachen wodurch manche Inhalte kein Äquivalent haben, sondern durch den Dolmetscher anders ausgedrückt werden müssen. Genau diese Feinheiten sind der Grund, warum professionelle Dolmetscher bestellt werden sollen, welchen die Feinheiten der Sprache besser vertraut sind als einem Laien, auch wenn es sich um einen Muttersprachler in beiden Sprachen handelt.

Diese Problematik stellt sich aber nicht nur für Dolmetscher lautsprachlicher Fremdsprachen sondern auch für Übersetzungen ÖGS-Deutsch. Es kommt zunehmend in das Bewusstsein der Bevölkerung, dass ÖGS eine eigenständige Sprache mit eigener Grammatik ist, es sich also nicht um „gebärdetes Deutsch“ handelt. Für gehörlose Menschen ist es, genauso wie für Menschen mit Migrationshintergrund und schlechten Deutschkenntnissen, unerlässlich einen geprüften ÖGS Dolmetscher zur Verfügung gestellt zu bekommen. Gerichtlich beeidete DolmetscherInnen für Gebärdensprache, die von der Polizei hinzugezogen werden, müssen –  wenn es nach dem ÖVGD, dem Österreichischen Verband der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Dolmetscher geht – KEINE spezifische Aus- und regelmäßige Weiterbildung für Dolmetschung in ÖGS und Deutsch absolvieren. Dem ÖGLB sind einige Fälle bekannt, wo Dolmetschleistungen jenseits der üblichen Anforderungen erbracht wurden. In puncto Vollständigkeit, Richtigkeit und Unabhängigkeit sowie Unparteilichkeit im Prozess des Dolmetschens bzw. der unparteiischen Einflussnahme im Vorfeld eines Strafverfahrens wurden Verfehlungen festgestellt. Es kam bei Dolmetschungen vor, dass einige Äußerungen, die von gehörlosen Personen gebärdet wurden, vom Dolmetscher teilweise ausgelassen bzw. nur teilweise oder mangelhaft übersetzt, so dass die Botschaft entweder gar nicht, teilweise oder falsch übermittelt wurde.

Insbesondere im Hinblick darauf, dass es für ÖGS kaum Qualitätserfordernisse gibt bzw. diese oft ohne Beiziehung von Native Signers erstellt wurden muss sichergestellt werden, dass gehörlose Menschen im Fall eines Ermittlungsverfahrens, den gleichen Zugang zu den Beschuldigtenrechten erhalten wie hörende Beschuldigte. Andernfalls kann nicht Rechtssicherheit bzw. der Gewährleistung eines fairen Verfahrens ausgegangen werden.