ÖGLB unterstützt Jungunternehmer

Red Bull organisierte auch heuer wieder im Rahmen des Projekts Amaphiko seine Social Entrepreneurship Academy.

Der Konzern möchte Entrepreneurs (=GründerInnen und InhaberInnen eines Unternehmens) aus verschiedenen Ländern der Welt unterstützen ihre Träume und Ideen zu verwirklichen. Das Projekt umfasst verschiedene Säulen, wie etwa eine Academy, diverse Integrationsaktivitäten bei Veranstaltungen, Storytelling Workshops sowie eine EPlattform auf welcher es auch ein online Magazin mit interessanten Artikeln gibt.

 

Raphael Silva und Zuko Mandlakazi

Raphael Silva aus Brasilien ist Teil der Amaphiko Familie und hat letztes Jahr an der Academy in São Paolo teilgenommen. Mit seinem Projekt „Ludwig“ möchte er Musik für gehörlose Menschen erlebbar machen. Sein Projekt befindet sich momentan in der finalen Phase, es müssen lediglich noch ein paar Einheiten getestet werden. In einem Team von vier Personen wurde „Ludwig“ – in Anlehnung an Komponisten Ludwig van Beethoven – entwickelt und soll das Konzept bzw. die Theorie von Musik an gehörlose Menschen vermitteln. Anhang von Vibrationen durch ein Armband können 24 unterschiedliche Töne wahrgenommen werden. Bei Tests mit gehörlosen Menschen in Brasilien stellte Silva fest, dass 95 Prozent der TeilnehmerInnen den Unterschied der Vibration in der Tonleiter fühlen konnten. Besonders für Kinder soll „Ludwig“ zugänglich gemacht werden und eventuell als Lerngerät in Schulen zum Einsatz kommen. Derzeit wird auch noch überlegt, anstelle des Armbandes einen Gürtel für den Brustbereich zu entwickeln, um die Vibrationendirekt am Herzen zu fühlen.

 

Auch Zuko Mandlakazi ist Teil von Amaphiko. Ziel. Ausdauer. Menschlichkeit. Friede. Liebe. Respekt – mit diesen Worten beschreibt sich der Jungunternehmer aus Südafrika. Anstoß zur Entwicklung des Armbands „Senso“ war die schwerhörige Tante von Mandlakazi. Auf der Suche nach Hilfsmitteln, um ihr den Alltag zu erleichtern, entstand die Idee etwas Eigenes zu entwickeln. „Senso“ soll eine Verbindung zwischen gehörlosen und hörenden Menschen sein. Durch angebrachte Sensoren bei der Türglocke, im Auto oder am Kinderbett werden die Geräusche in Vibrationen auf ein Armband übermittelt. Derzeit gibt es einen Prototyp, welcher noch weiter entwickelt werden muss. Im September 2016 soll „Senso“ dann fertiggestellt sein. Fünf verschiedene Sensoren zeigen gehörlosen Menschen in unterschiedlichen Farben an, ob beispielsweise die Türglocke betätigt wurde, das Kind aufgewacht ist, oder Geräusche im Straßenverkehr. In der fertigen Entwicklung soll eine drahtlose Distanz von 500 Metern überwunden werden können. Das Gerät kann beispielsweise auch bei Haustieren verwendet werden oder zum Schutz vor EinbrecherInnen. „Senso“ ist in Kooperation mit der Gehörlosen-Gemeinschaft in Südafrika entstanden und soll weltweit zur Anwendung kommen.

 

Pioneers Festival in Wien

Das diesjährige Pioneers Festival in Wien fand am 24. und 25. Mai 2016 statt. Vier Social Entrepreneurs der Amaphiko Familie waren vor Ort, um Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen zu sammeln und sich auszutauschen – mit dabei waren auch Silva und Mandlakazi. Neben den beiden Festivaltagen versuchte Red Bull weitere Aktivitäten für die Jungunternehmer zu finden, um sie zu unterstützen. So kam es, dass die beiden am 27. Mai 2016 zur Vorstellung ihrer Projekte zum Österreichischen Gehörlosenbund (ÖGLB) in die Waldgasse kamen.

 

Gehörlose MitarbeiterInnen des ÖGLB und des ServiceCenter ÖGS.barrierefrei durften die Produkte testen und den Jungunternehmer ihre Erfahrungen und Vorschläge mitteilen. Es gab regen Austausch und aktive Gespräche, um die Hilfsmittel im weiteren Entwicklungsschritt genau auf die Bedürfnisse von gehörlosen Menschen anzupassen.

 

Daniele Le Rose, Mitarbeiter des Service-Center ÖGS.barrierefrei, findet es gut, dass „Senso“ mit gehörlosen Menschen in Südafrika entwickelt wurde. Zum Produkt selbst erklärt er: „Es gibt aber schon sehr viele ähnliche Produkte am Markt, die bereits darauf spezialisiert und fertig produziert sind. Wünschenswert wäre es, wenn die Vibrationen beim Endprodukt dann deutlicher zu unterscheiden sind. Dass ich den Unterschied der Lautstärke fühlen kann, wenn der Sensor zum Beispiel am Kinderbett angebracht ist.“ Auch zu „Ludwig“ äußert sich Le Rose: „Die Idee hat mir sehr gut gefallen, vor allem für Kinder ist das ein super Projekt. Es wäre jedoch schön, wenn die Vibrationen der Musik nicht nur am Armgelenk spürbar sind, sondern zum Beispiel direkt am Herzen. Dass es einen Unterschied gibt zu alltäglichen Vibrationsalarmen, wie etwa dem Wecker. Vibrationen am Handgelenk ist man schnell gewöhnt. Aus der Idee kann man aber noch viel machen, vor allem auch mit mehr Vibrations-Variationen zu den unterschiedlichen Tönen.“

 

Silva und Mandlakazi stehen noch am Anfang mit der Entwicklung ihrer Produkte. Rückmeldungen und Meinung von gehörlosen Testpersonen ist ihnen daher umso wichtiger, damit „Senso“ und „Ludwig“ auch wirklich für gehörlose Menschen nützlich und interessant sind. Le Rose: „Es ist toll, dass die Jungunternehmer aus anderen Ländern extra hierher kommen und ihre Entwicklungen vorstellen.“

 

Die beiden Unternehmer freuten sich sehr über den Austausch. Einstimmig wurde beschlossen auch weiterhin in Kontakt zu bleiben und die nächsten Entwicklungsschritte bis zur Endproduktion im Auge zu behalten.

 

Wie die Produktvorstellung aussah und was dabei rauskam, kann unter folgendem Link nachgeschaut werden: http://www.redbull.com/en/stories/1331803731072/ludwig-music-for-deaf