ORF-Sparstift diskriminiert gehörlose Menschen

“Der Zugang zu Information ist eine unverzichtbare Voraussetzung für ein selbstbestimmes Leben, eine unabhängige Meinungsbildung und für politische Partizipation”, weiß Mag. Helene Jarmer, Präsidentin des Österreichischen Gehörlosenbundes (ÖGLB). “Der öffentlich Rechtliche Rundfunk ist verpflichtet, die Barrierefreiheit seiner Sendungen zu gewährleisten.”

Die Inhalte des öffentlichen Rundfunks sind jedoch für gehörlose Menschen längst nicht in vollem Umfang zugänglich. Zwar nutzen zwischen 400.000 und 450.000 Menschen die Services der ORF-Untertitelung, doch der Umfang des Angebots ist rückläufig: Auf ORF 1 waren 2018 67,30% (2017 70,36%), auf ORF 2 70,37% (72,49%), auf ORF III 32,67% (37,16%) und auf ORF Sport Plus lediglich ca. 2% der Inhalte untertitelt."  Sendungsinhalte mit ÖGS-Dolmetsch sind von 461 Stunden im Jahr 2015 auf 353 Stunden im Jahr 2017 zurückgegangen.

Nun plant der ORF Einsparungen ausgerechnet in der für Barrierefreiheit zuständigen Abteilung im Ausmaß von 300.000 Euro - bei Untertitelung und Audiodeskription.

Forderungen des Österreichischen Gehörlosenbundes
Lukas Huber, ÖGLB-Generalsekretär: „Diese Entwicklung ist inakzeptabel." Besonders bei tagesaktuellen Nachrichtenmagazinen, etwa 'Bundesland heute' müsse eine zügige Ausweitung des Angebots erfolgen, meint Huber, denn: "Gehörlose Menschen bezahlen die volle GIS-Gebühr, haben aber einen stark eingeschränkten Informationszugang. Das ist ein Rückschritt in der Umsetzung der Behindertenrechtskonvention."

Der ÖGLB fordert eine Anpassung der Gesetze (ORF-Gesetz und AMD-G) an die Audiovisuellen-Mediendienste-Richtlinie (AVMD-RL), um die Mediendiensteanbieter (ORF, Flimmit, Puls4, Servus-TV, ATV, oe24.tv, Krone TV, Schau TV, W 24, R 9, okto.tv, p3tv,…) zur stetigen und schrittweisen Umsetzung der barrierefreien Zugänglichkeit (Gebärdensprache, Untertitelung, Audiodeskription) ohne unangemessene Verzögerung zu verpflichten.

Situation in Österreich
In Österreich leben ungefähr 10.000 gehörlose Personen, 500.000 ÖsterreicherInnen haben eine Hörbehinderung und ca. 100 Menschen sind taubblind.

Der ÖGLB fordert:
100%ige Untertitelung der ORF-Inhalte; Transkription der Radiobeiträge auf Website bis zum Jahr 2020; Ausbau der ÖGS Einblendung mit menschlichen GebärdensprachdolmetscherInnen und gehörlosen ModeratorInnen; Sicherstellung von politischer Beteiligung gehörloser Menschen durch barrierefreie Informationszustellung u.a. in den Social Media des ORF mittels Untertiteln; Sichtbarkeit und Einbezug gehörloser Menschen in ORF-Produktionen und Diskussionsrunden.