1.3. Definition von Behinderung

Lade Video ...

Zurück zur Übersicht

1.3.1. Ausgangslage

Das Bundes-Verfassungsgesetz enthält keinen Kompetenztatbestand Behindertenwesen. Das Behindertenrecht gehört zu den sogenannten Querschnittsmaterien. Zahlreiche Bundes- und Landesgesetze beinhalten Rechtsnormen, die für behinderte Menschen von Bedeutung sind. Diese Gesetze haben unterschiedliche Zielsetzungen und enthalten entsprechend unterschiedliche Definitionen von Behinderung. So geht es beispielsweise im Bereich der Behindertengleichstellung um einen möglichst umfassenden Schutz im Bereich der Bundesverwaltung sowie beim Zugang zu und der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Das Arbeitsmarktservice wiederum unterstützt Menschen, die auf Grund ihrer Behinderung besondere Schwierigkeiten haben, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Zusätzliche weitere Institutionen versuchen, behinderungsbedingte Nachteile beispielsweise durch finanzielle Förderungen auszugleichen. Insofern ist es im Interesse der Menschen mit Behinderungen, dass sich die Definitionen von Behinderung voneinander unterscheiden.

Mit der Einschätzungsverordnung wurden 2010 zeitgemäße medizinische Kriterien und Parameter für die Feststellung des Grades der Behinderung im Rahmen der Begutachtung durch ärztliche Sachverständige geschaffen. Die Einschätzungsverordnung hat für alle „Neufälle“ die – zu sehr auf den Personenkreis der ehemals kriegsversehrten Personen zugeschnittene – Richtsatzverordnung aus dem Jahr 1957 abgelöst. Die Einschätzung des Grades der Behinderung bzw. der Schweregrad der Behinderung hat insbesondere Auswirkungen auf die individuellen Förderungs- und Unterstützungsangebote des BMASK bzw. Bundessozialamtes.

Unter Behinderung im Sinne der Einschätzungsverordnung ist „die Auswirkung einer nicht nur vorübergehenden körperlichen, geistigen oder psychischen Funktionsbeeinträchtigung oder Beeinträchtigung der Sinnesfunktionen zu verstehen, die geeignet ist, die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft, insbesondere am allgemeinen Erwerbsleben, zu erschweren. Als nicht nur vorübergehend gilt ein Zeitraum von mehr als voraus-sichtlich sechs Monaten.“

Durch die Anwendung der sogenannten MAS Tabelle (MAS = Multi-Axiales Klassifikations-Schema) werden bei der ärztlichen Begutachtung nach der neuen Einschätzungsverordnung soziale Aspekte berücksichtigt. Bei der Beurteilung der psychischen Fähigkeiten werden so auch soziale Kompetenzen mit einbezogen.