1.6. Ältere Menschen mit Behinderungen

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1.6.1. Ausgangslage

Fortschritte der Medizin sowie die allgemeine Verbesserung der Lebensqualität in den letzten Jahrzehnten haben es vielen Menschen mit Behinderungen möglich gemacht, ein höheres Alter zu erreichen. Neben der Gruppe von Menschen, die behindert alt werden, gibt es auch eine wachsende Anzahl von Menschen, die infolge eines altersbedingten Verlustes von Fähigkeiten behindert werden.

Das Thema „Alter und Behinderung“ ist von zunehmender gesellschaftlicher Bedeutung und war in den letzten Jahren Gegenstand mehrerer Konferenzen. So fand z.B. während der österreichischen EU-Präsidentschaft am 8. und 9. Juni 2006 in Graz eine inter-nationale Konferenz mit dem Titel „Alter und Behinderung – Menschen mit Behinderung werden älter, ältere Menschen werden behindert“ und am 30. Juni und 1. Juli 2011 in Linz eine von der European Association of Service Providers for Persons with Disabilities (EASPD) organisierte europäische Konferenz mit dem Titel „Old, so what? Independent Living for Seniors with Disabilities“ („Alt, na und? Selbstbestimmtes Leben für SeniorInnen mit Behinderungen“) statt. Die Konferenzteilnehmer und -teilnehmerinnen verabschiedeten dabei die „Linz Declaration“ betreffend selbstbestimmtes Leben für älterwerdende Personen mit Behinderungen (www.easpd.eu).

Die EU hat das Jahr 2012 zum „Europäischen Jahr für Aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen" erklärt. Das Jahr soll für die Herausforderungen und Chancen einer langlebigen Gesellschaft sensibilisieren und die Vielfalt der Möglichkeiten zur Bewältigung des Alter(n)s in seinen vielen Dimensionen aufzeigen. Unter den zahlreichen Maßnahmen und Aktivitäten dieses EU-Jahres sind auch solche für ältere Menschen mit Behinderungen enthalten (www.aktivaltern2012.at).

In der Erhebung „Menschen mit Beeinträchtigungen“ der Statistik Austria aus dem Jahr 2007 haben bei den über 60-jährigen 48,4 % angegeben, durch eine Beeinträchtigung im Alltag dauerhaft eingeschränkt zu sein (zum Vergleich: bei der gesamten Wohnbevölkerung sind es ca. 20,5 %). Dabei handelt es sich bei 67,7 % der über 60-jährigen um Probleme mit Beweglichkeit und Mobilität, bei 22,7 % um Probleme beim Sehen, bei 16,9 % um Probleme beim Hören und bei 40,4 % um mehrfache Beeinträchtigungen. Von Mehrfachbeeinträchtigungen sind vorrangig ältere, allein lebende Frauen betroffen. Das gemeinsame Auftreten von mehrfachen Beeinträchtigungen, höherem Alter und der Tatsache alleine zu leben, bedeutet einen erhöhten Versorgungsbedarf in dieser Bevölkerungsgruppe.

Das BMVIT hat im Jahr 2008 das Programm benefit ins Leben gerufen, um IKT-basierte Produkte und Dienstleistungen für ältere Menschen zu entwickeln. Das gleiche Ziel verfolgt ds AAL Joint Program (Ambient Assisted Living - Unterstütztes Wohnen in der Umgebung) als europäische Initiative, an dem Österreich ebenfalls von Beginn an (2008) beteiligt ist.