3.3. Verkehr

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3.3.1. Ausgangslage

Öffentlicher Verkehr ist ein zentraler Faktor, um Mobilität und damit auch selbstbestimmtes Leben für mobilitätseingeschränkte Personen zu ermöglichen. Zu diesen zählen neben Menschen mit Behinderungen z.B. Menschen mit Kinderwagen, Menschen mit schwerem Gepäck, Menschen mit geringen Kenntnissen der Landessprache, Menschen mit zeitlich begrenzten Bewegungseinschränkungen (z.B. nach einem Beinbruch) und nicht zuletzt ältere Menschen. Der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung steigt und damit auch die Zahl an Menschen mit altersbedingten Mobilitätseinschränkungen und Orientierungsschwierigkeiten.

Barrierefreiheit erhöht die Qualität des Öffentlichen Verkehrs und macht den Öffentlichen Verkehr für alle Reisenden attraktiver: „Barrierefreiheit ist essentiell für 10% der Bevölkerung, notwendig für 40% der Bevölkerung und komfortabel für 100% der Bevölkerung“ (BMVIT: Leitfaden für den barrierefreien Verkehr, 2009)

Aufgrund der Wichtigkeit des Themas Barrierefreiheit im Verkehr hat die EU unmittelbar geltende EU-Verordnungen erlassen, die u.a. zum Ziel haben, Personen mit eingeschränkter Mobilität vor Diskriminierung zu schützen.

So verbietet die Verordnung aus 2006 über die Rechte von Flugreisenden mit Behinderungen und Flugreisenden mit eingeschränkter Mobilität Flugunternehmen (d.h. Flugbetreibern und Flughäfen), Flugreisende wegen ihrer Behinderung die Buchung eines Fluges oder das Besteigen eines Flugzeugs zu verweigern. Weiters wird sichergestellt, dass Personen mit Behinderungen kostenlos zusätzliche Hilfe (z.B. Beförderung von Blindenführhunden und Mobilitätshilfen) in Anspruch nehmen können.

Die Verordnung über die Rechte und Pflichten der Fahrgäste im Eisenbahnverkehr aus dem Jahr 2007 sieht ebenfalls einen besonderen Schutz sowie Hilfeleistungen für Personen mit Behinderungen und Personen mit eingeschränkter Mobilität vor. Ein entsprechender Diskriminierungsschutz und ähnliche Rechte sind auch in der 2010 beschlossenen Schifffahrgastrechte-Verordnung und der Busfahrgastrechte-Verordnung von 2011 enthalten.

Verkehrsinfrastruktur, wie etwa Bahnhöfe und Haltestellen, sowie Fahrzeuge sind bereits in vielen Bereichen sehr gut ausgestattet und werden laufend verbessert. Manche, vor allem regionale Bereiche, sind zu wenig auf die Anforderungen und Bedürfnislagen einzelner Nutzergruppen ausgerichtet, womit eine Chancengleichheit in den Mobilitätsmöglichkeiten nur teilweise gegeben ist.

Im städtischen Raum ist in den letzten Jahren – auch unter Einbeziehung von Behindertenverbänden  vieles verbessert worden, im ländlichen Raum besteht dagegen noch teilweise Handlungsbedarf. So sollen beispielsweise sämtliche Postbusse, die viel Flächenverkehr anbieten, bis 2018 barrierefrei sein.

Für ländliche Regionen ist öffentlicher Verkehr eine wesentliche Voraussetzung für Mobilität und dient der sozialen Gerechtigkeit. Daher ist hier das Angebot zu evaluieren und gegebenenfalls zu attraktivieren.

Die Sicherstellung eines Grundangebots im Schienenpersonennah- und Regionalverkehr fällt in den Aufgabenbereich des BMVIT, die Zuständigkeit für die übrigen Verkehrsdienste liegt bei den Ländern. Das BMVIT setzt eine Vielzahl von Maßnahmen, den öffentlichen Verkehr für alle Nutzer und Nutzerinnen barrierefrei zu gestalten. Es werden Forschung und Entwicklung, insbesondere auch die Einführung prototypischer Lösungen gefördert, regelmäßig themenspezifische Konferenzen abgehalten und insgesamt das Bewusstsein für Barrierefreiheit im Verkehr gestärkt. Menschen mit Behinderungen und deren Organisationen sind in weiten Bereichen in die Maßnahmen zur Herstellung der Barrierefreiheit mit eingebunden.

An den beiden Technischen Universitäten Wien und Graz ist der Bereich „Barrierefreies Bauen“ in den Curricula der Masterstudien für Architektur im Rahmen von Wahllehrveranstaltungen explizit verankert. Diese Lehrveranstaltungen können auch als freie Wahlfächer von Studierenden anderer Masterstudien (z.B. Bauingenieurwesen, Maschinenbau, Elektrotechnik) belegt werden.

Ein an der TU Wien durchgeführtes Projekt „Grundlagen zur Weiterentwicklung von Aus und Weiterbildung im Bereich der barrierefreien Mobilität“ hat ergeben, dass in unterschiedlichen Lehrveranstaltungen der verkehrsbezogenen Studiengänge das Thema barrierefreie Mobilität vorkommt, allerdings selten ausgewiesene Lehr-Lerneinheiten bestehen.