7.3. Rehabilitation

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7.3.1. Ausgangslage

Nach Artikel 26 UN-Behindertenrechtskonvention ist Österreich verpflichtet, umfassende Habilitations- und Rehabilitationsdienste und -programme, insbesondere auf dem Gebiet der Gesundheit, der Beschäftigung, der Bildung und der Sozialdienste zu organisieren.

Für die Maßnahmen der Rehabilitation im engeren Sinn („Wiederherstellung“ eines Menschen in seinen „gesunden“ Zustand) sind in Österreich in erster Linie die Sozialversicherungsträger (Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung) zuständig (medizinische Rehabilitation).

Unter Rehabilitation im weiteren Sinn ist gemäß der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) „... die Summe jener aufeinander abgestimmten Maßnahmen, die darauf gerichtet sind, körperlich, geistig und/oder seelisch Behinderte bis zum höchsten, individuell erreichbaren Grad geistiger, sozialer, beruflicher und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit herzustellen oder wiederherzustellen, damit sie einen angemessenen Platz in der Gemeinschaft finden“ zu verstehen (medizinische, berufliche, soziale und pädagogische Rehabilitation). Siehe dazu entsprechende Maßnahmen in den Kapiteln 1 bis 6.

Im Bereich der Prävention, Gesundheitsförderung und Rehabilitation sind die Sozialversicherungsträger bestrebt, ihre Angebote ständig zu verbessern und den aktuellen Anforderungen anzupassen. In diesem Zusammenhang ist insbesondere der vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger unter Mitwirkung der Sozialversicherungsträger beim Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) in Auftrag gegebene „Rehabilitationsplan für die medizinische Rehabilitation 2012“ von Relevanz.

Ergänzend zur stationären Rehabilitationsbehandlung werden auch Angebote zur ambulanten Rehabilitation entwickelt, wie etwa ambulante kardiologische Rehabilitation in Vertragseinrichtungen, die ein vertraglich festgelegtes Anforderungs und Leistungsprofil erfüllen. Die Oberösterreichische Gebietskrankenkasse bietet seit 2011 im Fachambulatorium Linz ein sechswöchiges ambulantes Rehabilitationsprogramm speziell für Personen an, bei denen eine Amputation der unteren Extremitäten durchgeführt werden musste.

Die Länder unterstützen im Rahmen ihrer Zuständigkeit und auf Basis der Landes-Behinderten- bzw. Sozialhilfegesetze Maßnahmen der Rehabilitation und Beistellung von Heilbehelfen und Hilfsmitteln und finanzieren eine sogenannte Eingliederungshilfe von behinderten Menschen in Gesellschaft und Beruf sowie besondere soziale Dienste.

Im Budgetbegleitgesetz 2011 wurde der Grundsatz „Rehabilitation vor Pension“ verstärkt. Die pensionsvermeidende berufliche Rehabilitation wurde als Pflichtleistung aus dem Versicherungsfall der geminderten Arbeitsfähigkeit eingeführt. Die versicherte Person hat somit einen Rechtsanspruch auf Rehabilitation, wenn sie die Voraussetzungen für eine Invaliditäts, Berufsunfähigkeits oder Erwerbsunfähigkeitspension zumindest wahrscheinlich erfüllt.

Eine spezifische Herausforderung an das Gesundheits und Sozialsystem ergibt sich im Zusammenhang mit den ca. 800 in Österreich lebenden Wachkoma-Patienten/innen. Diese schwerst behinderten Menschen benötigen neben medizinischer Behandlung vor allem auch Rehabilitation und intensive pflegerische Langzeitbetreuung in einer Institution oder daheim.