8.5. Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie Schulungen von Berufsgruppen

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Die UN-Behindertenrechtskonvention brachte einen Paradigmenwechsel in der Sichtweise des Themas Behinderung (siehe insbesondere Artikel 12 „Gleiche Anerkennung vor dem Recht“ und Artikel 19 „Unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gemeinschaft“). Dies erfordert auch ein Umdenken bei allen Berufsgruppen, die in ihrer Arbeit mit Menschen mit Behinderungen zu tun haben.

8.5.1. Ausgangslage

Im Justizbereich werden Richterinnen und Richtern bewusstseinsbildende und der Sensibilisierung dienende Maßnahmen in Bezug auf die Diskriminierungsproblematik im Allgemeinen, die auch Menschen mit Behinderungen im Besonderen einschließt, angeboten. Im Jahr 2007 wurde unter Mitwirkung der Lehre (u.a. Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte in Wien) und der Standesvertretungen ein Grundrechtsmodul entwickelt. Diese dreitägige Veranstaltung ist seit dem Jahr 2008 als Vorbereitung für das Richteramt verpflichtend und befasst sich mit Grundrechten im gerichtlichen Berufsalltag, darunter auch mit Entscheidungen des EGMR zum Themenbereich Diskriminierung. Ebenfalls seit dem Jahr 2008 ist das Antidiskriminierungsrecht Prüfungsstoff für die Richteramtsprüfung. Die Justiz organisiert außerdem regelmäßig Veranstaltungen, die sich mit dem Thema Antidiskriminierung beschäftigen. Derzeit fehlt in Österreich ein flächendeckendes Beratungsangebot für Menschen, die in ihrem (Arbeits-)Umfeld mit Gewalt an älteren Menschen mit Behinderungen konfrontiert sind. Opferhilfeeinrichtungen, die über Beratungskompetenz verfügen, werden nicht als adäquate Ansprechstellen gesehen und kaum aufgesucht.

In der Ausbildung der Sportlehrerinnen und Sportlehrer sind die Themen „Umgang mit behinderten Menschen“ und „Möglichkeiten der Teilnahme behinderter Kinder am Turnunterricht“ unterrepräsentiert. Dies hat zur Folge, dass Turnlehrer und Turnlehrerinnen häufig bei behinderten Schülern und Schülerinnen eine Befreiung vom Turnunterricht anregen.

In der Ausbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einzelner Bundesministerien – z.B. im BMASK – werden relevante Themenfelder wie soziale und berufliche Integration, Gleichbehandlung im Arbeitsleben, gesellschaftliche Teilhabe und Barrierefreiheit umfangreich behandelt.

Die Schulungsreihe der Sicherheitsakademie (SIAK) „A World of Difference“ ist ein Eckpfeiler der menschenrechtlichen Aus- und Fortbildung von Exekutivbediensteten und dient der Sensibilisierung, um Diskriminierungen jeglicher Form entgegen zu wirken. Der Fokus dieser Seminare ist nicht auf bestimmte Gruppen gerichtet, sondern soll Vielfalt als positiven Aspekt bewusst und erlebbar machen und schließt auch Menschen mit Behinderungen mit ein.

Inklusive Bildung ist für die Lehrerinnen und Lehrer aller Schultypen relevant und ein wesentliches Thema für die Schaffung eines inklusiven Schulwesens. Besonders im Bereich Sonderpädagogik gibt es großen Fort- bzw. Weiterbildungsbedarf für die vielen verschiedenen Sparten (z.B. Hörgeschädigtenpädagogik, Sehgeschädigtenpädagogik, Heilstättenpädagogik, Körperbehindertenpädagogik, Fortbildung im Bereich des Verhaltens, usw.).